DIE–FORUM: Das Konzept

Die Evaluation des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) im Jahr 1997 brachte für das Institut einschneidende Veränderungen. Die wichtigste davon war, das DIE aus der Rechtsträgerschaft des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) herauszulösen und zu einer rechtlich eigenständigen Einrichtung zu machen. Das DIE war fortan ein Forschungsinstitut, das in einer pluralen Trägerlandschaft eine neutrale Rolle übernehmen sollte.

Im neuen Status des Instituts wurde ein in Format gesucht, in dem die interaktive Vermittlung zwischen Wissenschaft und Praxis Gestalt gewinnen konnte. Dabei sollte „Vermittlung“ nicht als Einbahnstraße (Erkenntnisse der Wissenschaft in die Praxis, wie vielfach in den Publikationen), sondern als Dialog und kritischer Diskurs entwickelt werden. Mit diesem Wissenschaft-Praxis-Dialog sollten Probleme der Praxis reflektiert und Ergebnisse der Wissenschaft diskutiert, aktuelle Diskurse vertieft, gegenläufige Tendenzen thematisiert und neue Themen gesetzt werden. Es war daher wichtig, Wissenschaft einerseits und pädagogische Praxis und Politik andererseits ins Gespräch zu bringen.

Es schien eine Veranstaltungsform angebracht, die – themen-, inhalts- und problembezogen – wichtige Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Praxis der Erwachsenenbildung zusammen und ins Gespräch brachte. Die Veranstaltungsform musste wissenschaftliche Inputs sowie reflektierte Beiträge aus der Praxis beinhalten und auf Perspektiven und Aktivitäten (so wie Lernen immer mit Handeln verbunden ist) zielen. Im Grunde war damit der Rahmen für das DIE-Forum gesteckt, implizit auch der Name. „Forum“ betont Offenheit, Öffentlichkeit, Transparenz, aber auch Qualität und Zugänglichkeit. In einem Forum treffen sich Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Erfahrungen, um sich auszutauschen und nach Möglichkeit zu gemeinsamen Perspektiven zu kommen. Der Forums-Gedanke war die Leitidee der Veranstaltung. Die Eckdaten waren die Inhalte und die Themen, die Mischung von Input und Diskussion, der Impulscharakter, die Kontinuität und die Partizipation sowie die Handlungsorientierung: in Richtung Wissenschaft, in Richtung Praxis, in Richtung Politik (immer verstanden als Teil von Praxis).

Diesen konzeptionellen Grundgedanken hat das DIE „heruntergebrochen“ auf ein angemessenes Veranstaltungsformat: zu einem festen Zeitpunkt für die Termin- und Planungssicherheit. Natürlich war und ist von entscheidender Bedeutung, welche Personen am Forum teilnahmen bzw. zur Teilnahme gewonnen werden konnten. Jeweils themenspezifisch sind dabei drei Gruppen im Forumsprogramm zu komponieren: Ausgewiesene Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie reflektierte und kommunikative Praktiker und Praktikerinnen (einschließlich Vertreter/innen der Politik) und Angehörige des DIE, die fachkompetent die Struktur tragen. Eine solche „Komposition“ von Aktiven kann nur in einem Institut gelingen, das sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis verankert ist, über entsprechende Kenntnisse verfügt und akzeptiert ist.

Wesentlicher Teil der Konzeption des DIE-Forums waren die Eckdaten zu Thema, Ziel und Botschaft. Diese sollten sich auf konkrete Entwicklungen (hauptsächlich in der Praxis) und Diskurse (hauptsächlich in der Wissenschaft) beziehen. Entwicklungen sollten reflektiert, wissenschaftliche Ergebnisse überprüft, Einsichten vertieft und Gegenläufiges (vor allem bei „Modethemen“) erörtert werden. Vor allem aber sollten in der Kommunikation von Wissenschaft und Praxis Perspektiven für weitere Forschungen und künftige praktische Entwicklungen aufgezeigt werden. Das Forum sollte nach vorne gerichtete Ergebnisse bringen, an denen in Wissenschaft und Praxis angeknüpft werden konnte.

Von Anfang an war das DIE–Forum als vernetzte Veranstaltung konzipiert. Vernetzt mit Wissenschaft und Praxis, anschlussfähig an Praxis und Diskurse. Vernetzt aber auch in anderer Hinsicht, möglich durch die Aktivitäten des Veranstalters DIE. Der Innovationspreis bzw. dessen Verleihung (alle zwei Jahre) wurde mit dem DIE–Forum aus organisatorischen, vor allem aber auch inhaltlichen Gründen zusammengelegt und erhöhte dessen Attraktivität und Reichweite. Die jeweilige Dezember-Ausgabe der „DIE–Zeitschrift für Erwachsenenbildung“ widmete sich lange Jahre dem Thema des Forums und konnte dort als Tagungsunterlage eingebracht werden. Politische Aktionen und Programme waren in der Themenwahl aufzugreifen. Und vor allem war das DIE–Forum an die laufenden (Forschungs-)Arbeiten im DIE anzudocken und sollte diese befruchten.

Insgesamt konnte die Kommunikation von Wissenschaft und Praxis verstärkt werden, ganz konkret auch in persönlichen Kontakten und Arbeitsbeziehungen. Immer wieder aber zeigte sich auch, dass es schwierig ist, insbesondere das diskursive Element des Konzeptes gegen die bestehenden Strukturen wissenschaftsorientierter Vortragsveranstaltungen durchzusetzen. Dies mag daran liegen, dass Wissenschaft – anders als Praxis – nur wirkt, wenn sie sich mitteilt. Auch wenn die Konzeption des Forums hier „gegenläufig“ ist, den Sachverhalt ändern kann sie wohl alleine nicht.

Prof. Dr. Ekkehard Nuissl
(Senior Professor an der Universität Florenz und an der Universität Kaiserslautern,
Wissenschaftlicher Direktor des DIE von 1991 bis 2011)

Letzte Änderung: 03.07.2017