Lehren können - Professionelles Handeln in der Erwachsenenbildung anerkennen

Kursleitende, Dozenten, Trainer - kurzum Lehrende – leisten einen wesentlichen Beitrag zur Qualität und zum Erfolg von Weiterbildungsangeboten. Was es aber genau heißt, in der Erwachsenenbildung „lehren zu können“, darüber gibt es bisher noch keine allgemein gültigen Standards. Zudem wird professionelles Lehrhandeln insgesamt noch zu wenig anerkannt. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt GRETA hat das Ziel, Grundlagen für ein trägerübergreifendes Anerkennungsverfahren der Kompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung zu schaffen. Damit kann ein großer Schritt hin zur Professionalisierung in diesem Bildungssektor gemacht werden.

Welche Fragen bearbeitet das Projekt?

  • Welche Kompetenzen sind für die Lehrtätigkeit relevant und wie können sie für eine Anerkennung operationalisiert werden?
  • Welche Validierungsverfahren eignen sich zur Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen Lehrender?
  • Wie können überfachliche Fortbildungsangebote für Lehrende auf das Kompetenzmodell bezogen und daraus Entwicklungsmöglichkeiten für die Anbieter aufgezeigt werden?
  • Welche Herausforderungen sind mit entsprechenden Professionalisierungsstrategien verbunden?

Welches Vorgehen wurde gewählt?

Um ein Anerkennungssystem zu entwickeln, das breite Akzeptanz findet, wird das Projekt in enger Zusammenarbeit mit acht Bundes- und Dachverbänden aus allen wichtigen Handlungsfeldern der Erwachsenen- und Weiterbildung durchgeführt. Der trägerübergreifende Ansatz stellt in diesem Bereich ein Novum dar und soll den Erfolg des Projekts maßgeblich unterstützen.
Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt entwickelt auf wissenschaftlicher Grundlage und in Zusammenarbeit mit Lehrenden, Weiterbildungsanbietern und Projektpartnern Instrumente und Verfahren, die eine Anerkennung von Kompetenzen Lehrender möglich machen sollen. Dabei verfolgt es einen multimethodischen Ansatz aus Material- und Literaturanalysen, Gruppendiskussionen, Experten- und Fachinterviews. Die Daten werden ausgewertet und wieder zurück in die Praxis gespiegelt.

Forschung

Die Ergebnisse münden in Handlungsempfehlungen für ein Anerkennungsverfahren von Kompetenzen Lehrender unter Berücksichtigung einer Analyse von Chancen und Risiken.

Was will GRETA und was wurde bereits erreicht?

Ziel des Projekts ist die Professionalisierung und Anerkennung von Kompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung. Kern des Projekts ist ein Kompetenzmodell, das alle grundlegenden Kompetenzen abbildet, die für eine Lehrtätigkeit erforderlich sind. Das vorliegende Kompetenzmodell nach GRETA teilt sich in Kompetenzaspekte, Kompetenzbereiche sowie Kompetenzfacetten auf. Es bildet alle Kompetenzen, die für die Durchführung eines guten erwachsenenpädagogischen Lernangebots wichtig sind, ab.

Im folgenden Artikel wird das Kompetenzmodell vorgestellt.

Das Kompetenzmodell kann als Basis für unterschiedliche Wege zur Anerkennung und Stärkung des professionellen Handelns Lehrender dienen. Im Projekt werden zwei Wege beschrieben:

Weg A: Mit einem Portfolio können Lehrende ihre informell und non-formal erworbenen Kompetenzen nachweisen und begutachten lassen. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einer Kompetenzbilanz dargestellt.

Weg B: Fortbildungen werden in Bezug zum GRETA Kompetenzmodell gesetzt und die darin enthaltenen Inhalte transparent dargestellt. So können sie für Lehrende besser auffindbar werden. Zusätzlich erhalten Anbieter Hinweise, wie sie die Fortbildungen kompetenzorientiert weiterentwickeln können.

Für beide Wege wurden Instrumente und Verfahren entwickelt, um das Ziel einer Anerkennung von Kompetenzen Lehrender zu erreichen.

Weg A: Wie können Lehrende ihre Kompetenzen nachweisen?

Lehrende haben ihre Kompetenzen vielfach auf non-formalen und informellen Wegen erworben. Diese nicht zertifizierten und formal anerkannten Kompetenzen sind ihnen oftmals nicht bewusst. Mithilfe eines im Projekt entwickelten Bilanzierungsinstruments – dem PortfolioPlus – wurden Möglichkeiten geschaffen, mit denen Lehrende ihre Kompetenzen dokumentieren und bilanzieren können.

Die Beschäftigung mit den eigenen Fähigkeiten und Stärken in einem Portfolio ermöglicht es den Lehrenden, ihre eigenen Kompetenzen im Abgleich mit einem Standard aus dem GRETA Kompetenzmodell zu dokumentieren. Ausgefüllte Portfolios können durch geschulte Gutachter bewertet werden. Die Ergebnisse werden in einer Kompetenzbilanz dargestellt und den Lehrenden in einem Beratungsgespräch rückgemeldet. Der gesamte Prozess ist darauf ausgelegt, weitere Entwicklungen in Richtung einer Professionalisierung anzustoßen.

Nach der intensiven Entwicklungsphase des PortfolioPlus konnte dieses 2017 mit 19 Lehrenden und vier Gutachtenden pilothaft erprobt werden.

Der Ablauf des Bilanzierungsverfahrens aus Sicht der Lehrenden, wie er im Projekt erprobt wurde, wird in der folgenden Grafik erläutert:

Ein Muster einer Bilanz finden Sie hier:

Weg B: Wie können Fortbildungsangebote in Bezug zum Kompetenzmodell gesetzt werden?

Neben der Bilanzierung von Kompetenzen Lehrender ist es Ziel des GRETA-Projekts, Fortbildungsangebote der Erwachsenen- und Weiterbildung mit dem GRETA-Kompetenzmodell in Bezug zu setzen (Mapping von Fortbildungsangeboten). Dabei wird von Projektseite analysiert, welche Kompetenzfacetten aus dem Modell im Curriculum abgedeckt werden. Die Ergebnisse werden interessierten Anbietern zurückgespiegelt und können optional in eine Weiterbildungsdatenbank aufgenommen werden.

Derzeit wird das gesamte Mapping-Verfahren an ausgewählten Train-the-Trainer Angeboten erprobt.

Der Ablauf dieses Prozesses wird der folgenden Grafik erläutert:

An wen richten sich die Ergebnisse des Projekts?

  • Lehrende, Trainer, Kursleitende, Teamer und Dozenten der Erwachsenen-/und Weiterbildung, die an einer Bilanzierung und Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen Interesse haben.
  • Fort- und Weiterbildungsanbieter, die ihre überfachlichen Angebote für Lehrende mit dem Kompetenzmodell abgleichen und weiterentwickeln wollen.
  • Leitendes und planendes Personal, welches das Kompetenzmodell oder die Kompetenzbilanz für die Rekrutierung von Lehrenden einsetzen kann.

Aktuell

Am 6.Oktober 2017 fand die GRETA Abschlussveranstaltung im Gustav Stresemann Institut in Bonn mit rund 60 Teilnehmenden aus Praxis, Politik und Wissenschaft der Erwachsenen- und Weiterbildung statt.

Das Projekt GRETA stellte Ergebnisse und Perspektiven des Vorhabens vor. In drei parallel stattfindenden Arbeitsgruppen wurden die in der Projektlaufzeit entwickelten Instrumente (Kompetenzmodell, PortfolioPlus, Mapping-Verfahren) sowie deren Nutzen und Einsatzmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert. Das Publikum, welches sich vor allem aus Lehrenden, Experten, Verbands- und Einrichtungsvertretern zusammensetzte, konnte wichtige Impulse für die Weitentwicklung der im Rahmen des angestrebten Anerkennungsverfahrens erarbeiteten Projektergebnisse liefern. Insgesamt konnte eine positive Bilanz gezogen werden, da es mit GRETA erstmalig gelungen ist, dass sich acht Verbände der Erwachsenen- und Weiterbildung zu einem Projektkonsortium zusammengeschlossen und gemeinsam auf ein Kompetenzmodell für Lehrende geeinigt haben.

Um die Instrumente für eine Nutzung in der Praxis zu finalisieren und breite Akzeptanz im Feld der Erwachsenen- und Weiterbildung zu schaffen, sind weitere Entwicklungsschritte nötig. Hierzu wurde eine 12-monatige Projektverlängerung ab Dezember 2017 bewilligt.

Wer sind die beteiligten Projektpartner?

Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB)

Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben (AuL)

Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e. V. (BBB)

Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (DEAE)

Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e. V. (DGWF)

Deutscher Volkshochschul-Verband e. V. (DVV)

Dachverband der Weiterbildungsorganisationen e. V. (DVWO)

Verband Deutscher Privatschulverbände e. V. (VDP)


Weitere Informationen finden Sie auf der Forschungslandkarte.

Kontakt

Dr. Anne Strauch

Letzte Änderung: 12/08/2017