Bonn, 2. März 2011. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) begrüßt den geplanten Grundbildungspakt für Alphabetisierung von Bund und Ländern. Anlass für die Initiative ist die Studie "Leo. Level one" der Universität Hamburg. Diese belegt, dass 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung bzw. 7,5 Millionen Menschen in Deutschland trotz erfolgtem Schulbesuch kaum lesen und schreiben können und deswegen mit vielfältigen Schwierigkeiten in der Alltagswelt und auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen haben.

Mit der Studie von Anke Grotlüschen, Professorin an der Universität Hamburg, die am 28.2.2011 in Berlin vorgestellt wurde, liegen erstmals belastbare Zahlen zum tatsächlichen Ausmaß dieses Phänomens vor. Diese Größenordnung bestätigt die Erfahrungen von Experten und zeigt eindringlich, wie bedeutend die Arbeit zur Verbesserung der Grundbildung ist, wie sie auch das DIE seit drei Jahrzehnten leistet. „Da es ein ganzes Faktorenbündel ist, das zur Illiteralität eines erheblichen Teils der Bevölkerung führt, begrüßen wir den Pakt“, erklärt Ekkehard Nuissl von Rein, Wissenschaftlicher Direktor des DIE. Damit knüpft er an die Erklärungen von Bundesbildungsministerin Annette Schavan und dem Präsident der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann, an, die anlässlich der Vorstellung der Studie ein breites gesellschaftliches Bündnis zur Bewältigung der Aufgabe gefordert haben. „Obwohl die Ursachen eher in der frühen Kindheit und in der schulischen Entwicklung begründet sind, zeigen das Engagement und die Expertise der Weiterbildung in diesem Bereich, dass auch im Erwachsenenalter noch Kompetenzen nachgeholt und wichtige Schritte zur Inklusion in die Gesellschaft getan werden können.“ Da das DIE über eine langjährige Expertise verfügt, kann es Bund und Länder beim geplanten Pakt in der Grundbildung Erwachsener unterstützen. Das DIE engagiert sich bereits seit den 80er Jahren mit der Erarbeitung und Erprobung von Konzepten zur Mitarbeiterqualifizierung und grundlegend mit der Erforschung von Lernprozessen funktionaler Analphabeten. Es hat entscheidend zur Anerkennung des Themas in der Weiterbildung auf nationaler und internationaler Ebene beigetragen. Gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. (BVAG) und dem Deutschen Volkshochschul-Verband e.V. (DVV) hat es die Online-Erhebung „monitor Alphabetisierung und Grundbildung“ (www.alpha-monitor.de) entwickelt, die jährlich durchgeführt werden wird. Damit schafft das DIE eine Wissensbasis über Bildungsangebote und -anbieter in der Alphabetisierung und Grundbildung, die u.a. zur Verbesserung der Bildungsplanung beitragen und Hinweise zur Einschätzung von Qualität der Anbieter und ihres Personals geben kann. Das DIE ist auch an der Entwicklung der mehrfach preisgekrönten Lernsoftware "Winterfest" (www.lernspiel-winterfest.de) beteiligt und kann aufzeigen, an welchen Stellen Lehrende Unterstützung geben sollten und Lernende erfolgreich selbst lernen können. Verschiedene Projekte und Aktivitäten öffnen zudem die internationale Anschlussfähigkeit und sehen die Alphabetisierung als einen wesentlichen Beitrag zur Inklusion, d.h. auch zum Zusammenhalt einer Gesellschaft an. Das Projekt „State of the Art“ erlaubt, den jeweiligen Forschungsstand und internationale Entwicklungen zu vergleichen. Es stellt auch Good-Practice-Beispiele im Hinblick auf Transfermöglichkeiten vor. In dem EU-Projekt EUR-Alpha ist das DIE daran beteiligt, ein europäisches Netzwerk Literacy und Numeracy aufzubauen, in dem vor allem die Stimme der Lernenden selbst gestärkt wird und so in Konzeptionen für Weiterbildung einfließen kann. Diese bisherigen Erfahrungen und neuen Erkenntnisse wird das DIE als Mitglied im Bündnis Alphabetisierung und Grundbildung vehement in die anstehenden Diskussionen einbringen.

Letzte Änderung: 01/01/0001