Wie gelingt die dauerhafte Vernetzung von regionalen Akteuren im Bereich lebenslanges Lernen? Tragen regionale Netzwerke zum Abbau von Bildungsbenachteiligungen bei? Welche Wirkungen haben Netzwerkaktivitäten auf dem regionalen Arbeitsmarkt? Dies sind Fragen, die die jetzt am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) startende Begleituntersuchung zum Programm "Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken" des Bundesministeriums für Bil-dung und Forschung zu beantworten hat.

Die Entwicklung regionaler Netzwerke als Bausteine Lernender Regionen hat gegenwärtig Hochkonjunktur. Davon zeugen eine Vielzahl bildungspolitischer Empfehlungen ebenso wie Maßnahmen und Modellversuche auf verschiedenen Ebenen, ein großes Spektrum praktischer Initiativen und Projekte und nicht zuletzt die aktuelle wissenschaftliche Diskussion. Der Ansatz „Lernende Region“ Eingebettet in allgemeine Überlegungen zur Entwicklung der Lerngesellschaft hat der Ansatz „Lernende Region” eine explizit regionalentwicklungspolitische Stoßrichtung: Im Unterschied zu traditioneller zentralstaatlicher Regionalpolitik zum Ausgleich wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheiten setzt er auf Mobilisierung und Nutzung der Potenziale regionaler Akteure. Selbstorganisiert und selbstverantwortlich soll so Regionalentwicklung von unten nach oben auf den Weg gebracht werden. Netzwerke regionaler Akteure als wesentliche Impulsgeber und Elemente lernender Regionen bieten dabei - so die Grundannahme - die besten Voraussetzungen für innovative Problemlösungen. Auch Bildungspolitik im Interesse der Förderung lebenslangen Lernens setzt verstärkt auf diese Strategien. Demnach sollen regionale Bildungsnetzwerke aus Anbietern, Nachfragern und Interessierten insbesondere die Nutzung vorhandener Ressourcen verbessern, die Bildungsbereitschaft und -nachfrage stärken, Lernmöglichkeiten nutzerorientiert ausbauen und weiter entwickeln. Allerdings ist das Konzept Lernende Region in der Praxis bisher noch nicht in breitem Umfang realisiert worden. Auch gilt es, eine Reihe offener Fragen zu beantworten, z. B. nach den Adressaten und der angestrebten Verknüpfung zwischen Bildungs- und Beschäftigungsbereich. Hier setzt das BMBF-Programm „Lernende Regionen“ . Das Programm Seit Mitte 2001 fördert das BMBF in Abstimmung mit den Ländern den Aufbau bildungsbereichs- und trägerübergreifender Netzwerke auf regionaler Ebene. Mitglieder der Netzwerke sind u. a. Schulen, Hochschulen, öffentliche und private (Weiter-)Bildungseinrichtungen, selbstorganisierte Lernergruppen, Lehrer/innen und Ausbilder/innen, Betriebe, Kammern, Gewerkschaften, Arbeitsämter und andere Kommunalverwaltungen, sozio-kulturelle Einrichtungen. Vor Ort sollen die Netzwerke ein Forum für innovative Maßnahmen sein und so zur Entwicklung einer regionalen Lernkultur beitragen. Arbeitsschwerpunkte liegen z. B. in den Bereichen Verzahnung und Durchlässigkeit der Bildungsbereiche, Verknüpfung verschiedener Politikfelder, Informations-, Beratungs- und Vermittlungsservice, Zertifizierung, Qualitätssicherung, Fortbildung des Personals und Neue Medien. Bei Erfüllung der Programm-Kriterien erstreckt sich die Förderung auf eine Phase zum Aufbau des Netzwerks und zur Planung gemeinsamer Projekte und auf bis zu zwei Phasen der Umsetzung dieser Projekte. In dieser Zeit erhalten die Netzwerke eine degressiv angelegte finanzielle Förderung. Zudem werden Supportleistungen vor allem in Form von Beratung, Fortbildung und Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs durch den Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und das Adolf-Grimme-Institut angeboten. Gegenwärtig sind bundesweit 54 Netzwerke in das Programm einbezogen, Anfang 2002 sollen ca. 25 weitere hinzukommen. Die wissenschaftliche Begleitung Das Forschungsprojekt, das das eben skizzierte Programm wissenschaftlich begleitet, hat die Aufgabe, relevantes Handlungswissen bereit zu stellen und so die Programmsteuerung und -planung zu unterstützen. Dazu sind die Wirkungen des Programms in den einbezogenen Regionen ebenso zu analysieren wie Erfolgsfaktoren und -hindernisse für die Etablierung auf Dauer angelegter regionaler Netzwerke. Von besonderem Belang sind daher folgende Fragestellungen, die gleichsam das Spektrum der zu bearbei-tenden Untersuchungsfelder markieren. Mit Blick auf die Kooperationsstrukturen ist zu klären, inwieweit die Netzwerkbildung gelingt und zur Verbesserung der regionalen Bildungsinfrastruktur beiträgt. In welcher Hinsicht die regionalen Bildungs-landschaften und einzelne Netzwerkpartner mit innovativen Angeboten an Profil und Flexibilität gewinnen, ist ebenso zu fragen. Versteht man regionale Netzwerke als wichtige Instrumente zum Abbau von Zugangsbarrieren zu Bildung, so ist zu klären, welche und insbesondere welche neuen Adressaten von den Netzwerkaktivitäten erreicht werden. Ein wichtiges, mit dem Konzept des lebenslangen Lernens verbundenen Ziel ist der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit. Insofern ist verstärkt auch den Beschäftigungswirkungen der regionalen Netzwerke nachzugehen. Und schließlich stellt sich die Frage, welche Transferpo-tenziale die Netzwerke entwickeln und welche Transferfunktionen sie innerhalb und außerhalb ihrer Regionen wahrnehmen - sind sie doch als wichtige „Agenten des Lernens“ zu betrachten. Insgesamt gesehen geht es bei all diesen Komplexen insbesondere darum, den Einfluss der verschiedenen Programmelemente für die jeweils zu untersuchenden Entwicklungsprozesse herauszuarbeiten. Methodisch stützt sich die Untersuchung auf verschiedene Module und Verfahren. Vorgesehen sind u. a. die Erfassung und Typologisierung aller beteiligten Netzwerke. Mit Hilfe von Befragungen der Kooperationspartner in den Netzwerken sollen Kooperationsstrukturen und aus Netzwerkaktivitäten hervorgegangene Projekte ermittelt werden. Tiefer gehende Einblicke in das Netzwerkgeschehen und wertvolle Aufschlüsse über Wirkungszusammenhänge und Faktoren nachhaltiger Kooperationsformen sollen qualitativ angelegte Fallstudien ausgewählter Netzwerke ermöglichen. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Ekkehard Nuissl von Rein, Direktor des DIE, wird die Begleitforschung als Kooperationsprojekt durchgeführt, in dem vielschichtige Erfahrungen und Kompetenzen gebündelt werden. Mit dem DIE kooperieren das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, die Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Arbeitsbereich Wirtschaftspädagogik / Betriebliche Aus- und Weiterbildung, und die Ludwig-Maximilians-Universität München, Lehrstuhl für Allgemeine Päda-gogik und Bildungsforschung. Wie das zugrunde liegende Programm ist auch die wissenschaftliche Begleitung der ”Lernenden Regionen” gegenwärtig auf drei Jahre angelegt und wird durch das BMBF gefördert. Weitere Informationen: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, Hansaallee 150, 60320 Frankfurt/M., Ingrid Ambos, Fon 069/ 95626-154, Fax 069/ 95626-174, E-Mail: ambos@die-frankfurt.de. Das DIE gehört mit 78 anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Wissenschaftsgemein-schaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorha-ben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Näheres unter: http://www.wgl.de

Letzte Änderung: 01/01/0001