DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

DIE Zeitschrift 2001/3

Titelblatt der Printausgabe 2001/3

Virtualität

Was leisten virtuelle Welten für das Lehren/Lernen? Chancen und Grenzen virtueller Bildung und Vorausschau auf mögliche zukünftige Entwicklungen für die Erwachsenenbildung sind die Themen dieses Heftes. Der Medienphilosoph Sandbothe erläutert im DIE-Gespräch das zukünftige Verhältnis von virtuellen und realen Welten. Daran schließen sich Fragen an wie: Wozu ist Virtualität gut (Thiedecke)? Was sind die Ergebnisse lernpsychologischer Forschung hinsichtlich virtueller Lernumgebungen (Reimann) und was können sie leisten (Hesse/Friedrich)? Genauer unter die Lupe nimmt Karin Dollhausen die Virtualisierung von Organisationen, indem sie Entwicklungstrends, Konzepte und Probleme aufzeigt.

INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Vorsätze
3
Magazin
6 Berichte, Veranstaltungen, Neue Bücher, Neue Medien
Thema
17 Abstract: Deutsch
Gespräch
Das Reale im Virtuellen und das Virtuelle im Realen entdecken!
Gespräch mit Dr. Mike Sandbothe über über den scheinbaren Gegensatz zwischen virtuellen und realen Welten
Möller, Svenja; Sandbothe, Mike; Stang, Richard
Dr. Mike Sandbothe ist Medienphilosoph und vertritt zur Zeit eine Professur für Medienpädagogik an der Universität Bielefeld. Im Gespräch mit Svenja Möller und Richard Stang vom DIE spricht er über den scheinbaren Gegensatz zwischen virtuellen und realen Welten, über ethische Fragen und Aufgaben von Bildung und Weiterbildung.
21 Abstract: Deutsch English
Fakten, Fakten, Fakten
Was ist und wozu brauchen wir Virtualität?
Thiedeke, Udo
Der Autor definiert Virtualität als das Mögliche, das, was realisiert werden kann und in Reichweite des Denkens und Handelns liegt, sich aber nicht realisieren muss; virtuelle Sachverhalte sind konstruierte Wirklichkeitsalternativen. Insofern gab es Virtualität als parallele Gedankenwelten in der Kunst schon immer, als Gemälde, als Gedicht, als Bühnenstück. Eine besondere Qualität wird erreicht durch die technische Umsetzung leistungsfähiger Computer. Der Artikel zeigt gesellschaftliche Veränderungen auf und betont die Rolle der Virtualität beim Übergang von der Industrie- in die Informationsgesellschaft.
What do we mean by virtualization, virtuality and virtual reality? The author sets out to establish the meaning of virtuality as the realm of the possible, containing many possible instances of the real world, of which reality is just one manifestation. Virtuality, considered as the construction of a parallel, if only imaginary, reality, has manifested itself in the form of works of the imagination, such as plays, poetr y or painting, long before electronic data processing took it beyond the borders of art and into everyday life. The author explores how the concept of a virtual world of possibilites affects the individual’s concept of self as well as of society, and what skills will be necessary in order to prosper in a virtualized society.
25 Abstract: Deutsch English
Zum Potenzial virtueller Lernumgebungen
Neue Möglichkeiten und Grenzen
Friedrich, Helmut F.; Hesse, Friedrich W.
Virtualität gibt es nicht allein in computerbasierten Lernumgebungen. Auch traditionelle Lernumgebungen zur Unterstützung von Lernen haben ein erhebliches Maß an Virtualität. Der Unterschied liegt im Ausmaß und in der größeren Funktionalität und Flexibilität. Die Forderungen an den Lernenden nehmen damit zu: Selbststeuerung, Bewältigung von Mehrfachanforderungen, kritisch-konstruktive Medienkompetenz u.v.m. Die Autoren benennen wesentliche Faktoren, die für die Entwicklung von Lernsoftware relevant sind, wenn sie ihr Potenzial entfallen sollen.
Virtuality is not the essence of computer-based learning environments: any learning environment contains elements of virtuality in so far as it concerns itself with representations of reality. Even though the difference between computer-based and traditional settings in this respect is one of degree rather than of substance, conditions at the extreme end of the virtuality scale call for a change in learning arrangements. The authors explore the consequences for learners – self-direction, critical assessment of sources, filtering of relevant information – as well as for developers of learning/teaching environments whose tasks will include thinking about course structure and defining standards of participation for their students.
28 Abstract: Deutsch English
Lernen in der Virtualität
Aktuelle Erkenntnisse der Lernpsychologie
Reimann, Peter
Der Autor diskutiert die Ergebnisse der lernpsychologischen Forschung hinsichtlich zweier Spezialformen virtuellen Lernens: Lernen in virtuellen Informationsnetzen (Hypermedia) und Lernen mit virtuellen Objekten und Akteuren (Simulation). Hypermedia kann Erwartungen nicht erfüllen. Dagegen beweisen empirische Untersuchungen zum Lernen durch Computersimulation lernförderliche Wirkungen. Allerdings muss auch die Simulation von anderen pädagogischen Maßnahmen begleitet werden. Reimann benennt Forschungsdesiderate in Bezug auf die Entwicklung virtueller Lernumgebungen.
The author looks at two forms of learning in virtual environments: learning with hypermedia and learning by confrontation with virtual objects and „persons” (simulations). For hypermedia, research has found a rather wide discrepancy between media-specific learning potential and actual outcome, which, especially for beginners, tends to be rather small. - Many empirical studies on learning in simulated reality have shown that simulations can indeed be conducive to learning, but that this is not automatically and necessarily so. Research in the future should look more closely on what measures should be implemented in such environments to enhance learning.
30 Abstract: Deutsch English
Virtuelle Gemeinschaften als Lerngemeinschaften!?
Zwischen Utopie und Dystopie
Döring, Nicola
Virtuelle Gemeinschaften werden gelobt als demokratische und egalitäre Zusammenschlüsse souveräner Individuen. Gegner halten sie für Pseudogemeinschaften, die sich der realen Welt und sozialen Verantwortung entziehen. Die Autorin beschreibt die Funktionsweise virtueller Gemeinschaften und kennzeichnet sie als Zusammenschluss von Menschen mit gemeinsamen Interessen. Sie unterscheidet dabei grundsätzlich vier Arten von Lerngemeinschaften und beschreibt deren Potenzial.
Online communities have been praised as utopian realms of free, equal and unrestricted communication by some; others have condemned them as anti-social pseudo-communities. Both attitudes, however, focus on the technical framework and do not take the actual quality of the interaction into account. The author describes types of interaction in virtual communities in general, then looks at four types of communities dedicated specifically to learning, and explores their potential.
33 Abstract: Deutsch
E-Learning in the USA*
The Storm after the Storm
Edelson, Paul J.
Rief die technologische Weiterentwicklung in den USA nach anfänglicher Euphorie für elektronisches distance learning bald Skepsis – vor allem auf Grund nur marginaler Lernerfolge – hervor, so ist seit etwa fünf Jahren auf College- und Universitätsebene eine breite Akzeptanz von e-learning in Kombination mit face-to-face-Lernarrangements zu verzeichnen. Landesweit wird der Anteil aller Belegungen für Online-Kurse bis 2009 auf 31 Prozent prognostiziert. Allerdings zeigen sich heute vor allem private Elite-Schulen und Universitäten gegenüber e- und distance learning reserviert. – Die wachsende Verbreitung elektronisch gestützten Lernens hat jedoch nichts mit der pädagogischen Qualität zu tun: Diese ist – unabhängig von der Unterrichtsmethode – abhängig von Leistung, Begabung und Anstrengung der Lernenden und Lehrenden
35 Abstract: Deutsch English
Zur Virtualisierung von Organisationen
Mehr Effektivität oder „Kultur des Misstrauens”?
Dollhausen, Karin
Das neue Leitbild organisatorischer Gestaltung heißt „Virtuelle Organisation”. Als digital vernetztes, immaterielles und räumliches Kooperationsnetz von Spezialisten sollen solche Organisationen in der Lage sein, auf unterschiedliche Entwicklungstendenzen mit anpassungsfähiger Strukturveränderung zu reagieren. Karin Dollhausen untersucht, welche technischen und organisatorischen Umstellungen durch Virtualisierung erforderlich werden. Sie betont, dass virtuelle Organisationen immer auch Kommunikationszusammenhänge sind und diskutiert, welche Folgen sich damit für das Wissensmanagement ergeben.
The author describes the emergence of the „virtual organisation” concept as a tendency towards customization of products on the one hand and the development of a suitable technological basis on the other hand. Networking is discussed as a necessary but not sufficient prerequisite. First and foremost, the process of virtualisation requires changes in the organisational structure of companies that may go as far as a redefinition of the relationship between employees who, if forced into a role of competing „intrapreneurs”, will desist from cooperation. In this context, knowledge management is identified as the problem crucial to the success of a virtual organisation.
38 Abstract: Deutsch English
Hochschule virtuell – Bildung durch
Vernetzung
Studieren mit dem Internet
Seppmann, Georg
Prof. Dr. Harald Weinrich ist einer der profiliertesten deutschen Sprachwissenschaftler. Er ist Mitbegründer der Universität Bielefeld, begründete in München das Fach „Deutsch als Fremdsprache” und lehrt als erster deutscher Wissenschaftler am Collège de France.
Gegenüber DIE-Mitarbeiter Gerd von der Handt plädiert Weinrich für die Rehabilitierung des Begriffs „Sprachkultur”. Er plädiert für die lingua-franca-Englisch, sofern sie Mehrsprachigkeit nicht erdrückt und fordert von den Deutschen, selbst mehrsprachiger zu werden.
Taking the Bavarian Vir tual University (Virtuelle Hochschule Bayern) as an example, the author shows that the innovative potential
of vir tual universities lies in the idea of a cooperation of utterly different universities, with teaching staff from different faculties,
schools and backgrounds. Bringing these divergent elements together, notably in the question of a mutual acknowledgement
of credits issued by each university, is one of the most ambitious aims of the Virtuelle Hochschule Bayern. Quality assurance
is another fruitful field of cooperation. – Whether it will be possible to use virtual university facilities in non-academic further
education will depend on the learners’ ability to develop appropriate online learning strategies as well as on the institutions’
willingness to meet demands from the non-academic sector.
40 Abstract: Deutsch
Rückblicke
Zur Historie von Virtualität und Virtualisierung
Dichanz, Horst
Ein historischer Längsschnitt zum Thema Virtualität und Virtualisierung.
41 Abstract: Deutsch
Stichwort
Virtualität und Bildung
Möller, Svenja
Begriffklärungen rund um das Thema Virtualität und Virtualisierung.
Forum
44 Abstract: Deutsch
ONLINE-TRAINER TRAINING ONLINE
Ein virtuelles Lehr- und Lernmodell
Schneider, Christel
Virtuelle Lernformen brauchen neue Vermittlungsstrategien. Schneider berichtet von zwei Online-Trainer-Kursen, die zusammen mit dem englischen Partner „Abacus Learning Systems” über den Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holstein angeboten werden.
 
3
Virtuelle Bildung
Nuissl, Ekkehard
Nachwörter